Warum Transgendern in Deutschland ein wichtiges Wort fehlt

Von Transsexualität und Geschlechtsidentität

Eine Person, die zum ersten Mal mit dem Phänomen Transsexualität in Berührung kommt, für diese mag es so aussehen, als ob hier ein Mensch sein Geschlecht ändert.

Für die meisten Menschen ist das äußere körperliche Geschlecht gleichbedeutend mit dem, was die Gesellschaft von ihnen als Mann oder Frau erwartet. Die meisten Menschen stellen diese Erwartungen auch nicht in Frage, selbst wenn sie ein gewisses Unbehagen dabei haben mögen, was ihre eigene Geschlechtsidentität angeht.

Auf dieser Ebene kann ich verstehen, dass jemand, der sieht, wie ein Mann, der plötzlich aus der Rollenerwartung ausbricht und von sich sagt, er sei eine Frau und wolle in Zukunft auch so angesprochen werden und sich entsprechenden Operationen unterziehen lassen möchte, dass es für so eine Person, wie eine "Geschlechtsumwandlung" erscheinen mag.

Von Erwartungen, die erfüllt werden wollen

Wahrscheinlich haben sich die meisten Menschen noch nie richtig mit sich und ihrem Geschlecht auseinander gesetzt und sich die Frage gestellt. Was bedeutet es eigentlich für mich, dass ich ein Mann oder eine Frau bin. Fühle ich mich wohl, mit dem, wie ich körperlich bin, kann ich akzeptieren, dass die Umwelt gewisse Erwartungen an mich hat, nur weil ich körperliche Merkmale aufweise und kann ich diese Erwartungen auch erfüllen beziehungsweise will ich sie erfüllen?

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Wie man jemandem etwas unterstellen kann, ohne es überhaupt zu wissen

Für mich hat allerdings das Wort "Geschlechtsumwandlung" einen sehr schalen Beigeschmack, denn ich verbinde damit, dass man der transidenten Person, von der man in diesem Zusammenhang spricht, in irgendeiner Weise unterstellt, nicht in Ordnung und krank zu sein. Meiner Meinung nach, wird beim Begriff "Geschlechtsumwandlung" jemandem unterstellt, sein Geschlecht, welches er von Natur aus hat, ändern zu lassen und damit auch gegen die natürliche Ordnung zu handeln. Bei dieser Art des Wortgebrauchs, wird meiner Meinung nach unterstellt, dass es so etwas wie eine natürliche Ordnung gibt und dieser etwas Göttliches anhaftet, gegen die sich der Mensch nicht versündigen darf.

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Transsexualität bzw. Transidentität ist aber keine Krankheit, genauso wenig wie Homosexualität oder Asexualtität. Es gibt nicht nur zwei Geschlechter, wie manche konservative Kreise dies gerne sehen möchten. Wenn man sich die Lebenswirklichkeit der Menschen anschaut, gibt es ganz viele Zwischenstufen. So gibt es Menschen, die sich mit der ihnen zugewiesenen Geschlechterrolle nicht einverstanden fühlen und dann gibt es unter diesen Menschen auch noch welche, die nicht nur die ihnen zugewiesen Rolle ablehnen und in der anderen Rolle leben wollen (und dies auch tun), sondern auch den Körper entsprechend angleichen lassen.

Was genau bedeutet denn Geschlecht?

Diese Menschen ändern aber nicht ihr Geschlecht, wie das Wort "Geschlechtsumwandlung" den Eindruck hinterlässt, sondern diese Menschen, haben ein Geschlecht und zwar eines, das sie schon seit Geburt haben, nur passt dieses Geschlecht nicht mit dem körperlichen Äußeren zusammen, was sie dann durch eine Operation in Ordnung bringen lassen.

Sex ≠ Gender

Wahrscheinlich ist für diejenigen, die das Wort "Geschlechtsumwandlung" benutzen, das körperliche Geschlecht gleich dem gelebten und empfundenen Geschlecht. In der deutschen Sprache gibt es leider nur das Wort Geschlecht und nicht wie im englischen Sprachraum die Wörter "Sex" und "Gender". Wobei hier "Sex" für das körperliche Geschlecht steht und "Gender" für das soziale Geschlecht, also die Geschlechtsrolle.

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Beide Begriffe und Konzepte, die damit zusammenhängen, werden im Deutschen oftmals verwechselt und vermischt. Beides gehört zwar zusammen, aber es gibt eben doch auch entscheidende Punkte, die man klar voneinander trennen sollte. Menschen, die sich für ihr Geschlecht entscheiden, dem sie sich zugehörig fühlen, so wie es das Transsexuellen Gesetz (TSG) nennt, haben oftmals einen langen Kampf hinter sich. Um transidente Menschen nicht zu beleidigen, sollte man statt des Begriffs Geschlechtsumwandlung besser den Begriff Geschlechtsangleichung wählen. Letztlich ist es für diese Menschen eben eine Angleichung der Äußerlichkeiten, an das, was bereits in ihnen ist.

Michaela Werner ist eine Frau mit transidenter Vergangenheit. Sie lebt in Friedrichshafen am Bodensee und interessiert sich für Kunst, Fotografie und das Internet. Früher war sie Unteroffizier bei der Bundeswehr. Heute arbeitet sie als Programmiererin und bloggt u.a. zum Thema #transgender auf Michaela-Bodensee.de. Folge ihr auch auf Twitter

Mache bekannter, welches Wort Transgendern fehlt.

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Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Caring, in dem es um Dinge geht, die unsere Welt besser machen: Konsum, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gesellschaft. So wie in diesen Artikeln: